Modellbahn-Zeit

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Model Railroading is fun. :-)

In diesem Blog dreht sich alles rund um die Modelleisenbahn. Der Schwerpunkt liegt dabei auf H0-DC(C), aber auch zur N-Spur und märklin-H0 habe ich viele Ideen. Und wer weiß, was mir noch so alles einfällt...

Schön, dass Sie sich die Zeit nehmen, meinen Blog zu besuchen. Viel Spaß beim Stöbern. :-)

Alexander Kath
November 2018

Märklin BR 212 für DC (33723)

Umbauten LokomotivenPosted by Alexander Kath Mon, November 12, 2018 11:35:44

Märklins klassische 212 für DC Gleise

Als ein junger Bekannter sein Modellbahnhobby reaktivierte (mit 26! Hört, hört!), entschied er sich, auch zukünftig auf C-Gleisen unterwegs zu sein, allerdings ohne Mittelleiter.

Seine vorhandenen Fahrzeuge werden nun nach und nach auf DC umgebaut, damit er trotz des komfortablen Betriebs auf international kompatiblen Gleisen weiterhin seine Zügen 'von früher' fahren lassen kann. In etwa zwanzig Jahren wird er vermutlich verstehen, warum das eine gute Idee gewesen ist. ;-)

Die erste Lok, die sozusagen 'internationalisiert' wurde, war märklins Diesellok-Klassiker BR212. In diesem Fall in orientrot, das ich noch als 'neurot' kenne; für ihn ist es „die alte Farbe“. Also, das mit dem Älterwerden ist ja so eine Sache...

Im Grunde ist der Umbau sehr einfach, wenn man etwas bastlerisches Geschick mitbringt. Schrauben und Löten, das kriegen viele Bastler hin. :-)

Decoder & Licht
Der vorhandene Delta-Decoder wich einem aktuellen Sounddecoder von märklin, der auch DCC versteht. Die Glühlampen wurden ausgetauscht gegen warmweiße LED in der 19V Version. Das Aufbohren der roten Lampen habe ich unterlassen, weil märklins Gehäuse aus der betreffenden Fertigungs-Zeit sehr spröde werden können, bis hin zum Zersplittern. Also blieb die „historische Substanz“ aus 2002 unangetastet.

Der Rahmen dient elektrisch für den zweiten Gleis-Pol, für das 'schwarze Kabel' des Decoders. Alle anderen elektrischen Verbindungen, auch die der Beleuchtung, erfolgen direkt an den neuen Decoder, bzw. an seine Schnittstellenplatine.

Vorhandenen Glühlampen sollten unbedingt gegen neue Lämpchen für 22V oder 24V ausgetauscht werden, bei Conrad oder über ebay findet man solche Draht-Lämpchen. Wer diesen Hinweis ignoriert, setzt seine Lok der Gefahr von Schmelzschäden aus. Also besser austauschen.

Ich habe 19V-LED verwendet, deren Drähte gekürzt und vor dem Einsetzen leicht angespitzt. Dazu verwendet man einfach einen guten Seitenschneider, mit dem man das Draht-Ende schräg ablängt. Mit einer Pinzette drückt man die LED-Beinchen in die Buchsen, danach sitzen sie wirklich fest.
Die verwendeten LED gibt es hier zu kaufen.

Bei der ersten Probefahrt stellte sich heraus, dass das helle Licht an vielen Stellen zwischen Gehäuse und Rahmen zu sehen ist. Um das wirksam zu unterbinden, klebt man kurze Streifen schwarzes Moosgummi auf den Rahmen, auf dem Foto unten vor der Glühlampe zu erkennen.

Lautsprecher
Zuerst steckt man den Stecker des Lautsprechers in die Buchse auf der Schnittstellen-Platine. Tatsächlich ist der einzige passende Befestigungs-Platz für den Lautsprecher ein Knubbel am Rahmen. Um den Lautsprecher dort wirksam zu fixieren benötigt man einen wirklich guten „Kraftkleber“, ich habe einen von UHU ausgewählt. Man gibt also jeweils einen Klecks Kontakt-Kleber auf den hochstehenden Knubbel und auf die später darauf liegende Ecke des Lautsprechers. Nach wenigen Minuten presst man die Teile exakt aufeinander. Der Lautsprecher sitzt danach wirklich fest und gibt seinen Klang Richtung Gleis ab.

Antrieb
Man könnte den alten dreipoligen Anker behalten. Aber wenn im Fundus ein fünfpoliger Anker mit neuem Magnet liegt, nimmt man besser den. Im Fall dieser Variante der 212 braucht man glücklicherweise am Rahmen nichts auszufräsen, weil sie bereits ab Werk für den besseren Antrieb vorbereitet wurde. Bei älteren muss man für den neuen Magneten eine Aussparung herausfräsen, das kann man auch in einer Werkstatt erledigen lassen. Alternativ verwendet man den dreipoligen Anker weiter und kauft einen Magneten von Esu dazu.

Tipp: An dieser Stelle ein grundsätzlicher Tipp für alle drei- und fünfpoligen Anker der klassischen märklin-Motore. Ein typisches Merkmal für diese Anker sind die recht scharfkantigen Kollektor-Kanten. Im normalen Fahrbetrieb fräsen diese Kanten die Kohlen regelrecht ab. Der entstehende Staub setzt dann die Ritzen des Kollektors Strom leitend zu, bis die Lok nicht mehr ordentlich fährt. In Modellbahn-Foren findet man viele Beschwerden zu diesem Thema.

Selber Abhilfe schaffen kann man, indem man den Kollektor vorsichtig glättet. Am Besten poliert man den Kollektor mit sogenanntem Polierleinen in extrem feiner (!) Körnung. Das geht ganz einfach, ist schnell erledigt, und die Lok fährt sogar sanfter an. Ich habe meine Streifen Polierleinen hier gekauft.

Erst glättet man den Kollektor mit 'groberem' Leinen, dann poliert man die geglättete Oberfläche mit feinem Material nach, bis sie im Wortsinn spiegelglatt ist. Im Fall von wenig gefahrenen Loks ist es oft ausreichend, den Anker mehrfach mit den Fingern in sanft um den Kollektor gewickelten Polierleinen zu drehen. Nur in stark gebrauchten Loks sollte man den Kollektor in eine Bohrmaschine einspannen und mit dem Polierleinen semi-professionell glätten. Auch hier stets vorsichtig arbeiten!

Decoder
Anstelle des delta-Moduls wird märklins neuer Sounddecoder eingesetzt, inklusive märklins 21poliger Schnittstellen-Platine. Die Verkabelung erfolgt nach NEM-Farbschema, nicht nach märklins Hausnorm, denn immerhin wird die Lok zukünftig in reiner DCC Umgebung unterwegs sein. Da braucht ein DC-Newbie keine unterschiedlichen Farb-Schemata zu lernen.

Neue Drehgestelle
Bei märklins Service war man von meiner Anfrage nach passenden DC Rädern überfragt. Zufälligerweise hatte ein Bekannter zwei passende 212-Drehgestelle mit DC Rädern im Fundus, die er sich irgendwann hatte anfertigen lassen. Bis heute wissen wir nicht, von welchem Fahrzeug diese Räder stammen, zielführende Hinweise nehme ich gerne entgegen. :-)

Im DC Betrieb sollten nur zwei Haftreifen eingesetzt werden, am besten über Kreuz angeordnet. Das verbessert die Stromaufnahme. Den zusätzlichen Radkontakt klebt man mit UHU-Kontaktkleber unter das Antriebs-Drehgestell. Das schwarze Kabel führt man im Rahmen nach oben.

Der metallische Glanz der Räder hat mich gestört, also habe ich des netteren Aussehens wegen die Radscheiben seitlich im zum Drehgestell-Rahmen passenden RAL-Farbton eingefärbt, in diesem Fall RAL Graubraun 8019. Die äußeren Radreifen wurden dabei sauber ausgespart. So wirkt das Fahrwerk mehr wie aus einem Guss. Ich finde, die Fahrzeuge gewinnen an Attraktivität.

Vor dem Einbau des Laufgestells sollte in dessen Rahmen das schwarze Massekabel am Metall angelötet werden, diesen Bereich dazu etwas blank reiben. Ein rotes Kabel kommt an den ehemaligen Schleifer-Anschluss. Beide Kabel führt man durch den Rahmen nach oben, dann baut man die Drehgestelle in den Rahmen. Erst abschließend wird der neue Rad-Schleifer angeschraubt.

Kupplungen
Märklins Kurzkupplung funktioniert prima in märklins Umgebung, aber wenn andere Fabrikate dazukommen, kann es hakelig werden. Also wird zukünftig Rocos Universalkupplung verwendet. Da die betreffenden Halterungen nicht wirksam waagerecht zu befestigen waren, wurden später die höhenverstellbaren Universalkupplungen angebracht, die für sicheres Einkuppeln sorgen. Auf dem Foto ganz oben sind noch die herkömmlichen Uni-Kupplungen zu sehen.

Tipps
1. Auf der Motor-Rückseite bändigt man die Kabel dauerhaft mit einem Streifen Tesa.

2. Das Gehäuse dieser Lok entwickelte über die Zeit seitlich einen kleinen Sprung. Hier zeigte sich, wie spröde märklins Kunststoff aus den 90er Jahren werden kann. Beschädigungen bei diesen Lokmodellen lassen sich vermeiden, indem beim Zusammenbau die Gehäuseschraube nicht zu fest hineindreht: Sicher fest ja, zu stramm nein. Lieber minimal locker lassen.

3. Das Fahrwerk war recht schwergängig, vermutlich hatte märklins hier sein berüchtigtes Werks-Schmieröl im Einsatz, das man auch als „Getriebekleber" kennt.

Also wurde die Lok anfangs komplett zerlegt. Auch der Motor-Schild und -Anker wurde entnommen. Abhilfe schafft das 'Modellbahn-Öl SR24', seit Jahrzehnten bewährt, um feste Getriebe wieder gangbar zumachen.

Man pinselt es großzügig über die betroffenen Stellen und prüft alle paar Minuten vorsichtig, ob sich die Räder etwas drehen lassen. Irgendwann ist es so weit.

Mit einem festen, sauberen Borstenpinsel entfernt man die alten Öl-Brocken, bis alles wieder sauber ist und frei arbeiten kann. Über Nacht trocknen lassen und mit einem guten Öl vorsichtig nachölen.